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Kreativ-WE
"traditionelles Handwerk"
vom 20. bis 22.11.2009
auf Burg Lohra

Vom 20. bis 22. November 2009 fand auf der Burg Lohra ein Wochenende zum Thema traditionelles, mittelalterliches Handwerk stat. So trafen sich an diesem Wochenende 15 Pfadfinderinnen und Pfadfinder des Landesverbandes, um auf der Burg zu arbeiten, zu spielen und zu leben. Am Freitag Abend stellten sich die Handwerksleute den Teilnehmern vor und erläuterten dabei ihr Handwerk. Weiterhin wurde kurz über das späte Mittelalter vom 12. Bis 14. Jahrhundert berichtet. Nach einigen musikalischen Mittelalterklängen mussten die "Gesellen", welche in die Lehre zu den großen Meistern gehen wollten, sich mittelalterliche Gewänder nähen. Tunikas wurden geschneidert und mit Borden verziert, Taschen, Schnallen und andere Accessoires hergestellt. Natürlich durfte ein Rittertrank nicht fehlen.
Am Samstag morgen fand für uns Pfadfinder eine eher unübliche Morgenrunde statt. Kein lustiges Spiel und Lied, nein, der hohe Herr verlass ein paar Worte zum Leben und zur Arbeit im Mittelalter und schon mussten alle ran. Laub fegen und in den Wald transportieren, Holz hacken und sägen, die Lehmöfen in den Hütten einheizen. Puh, eine Stunde harte Arbeit lag vor uns, welche wir aber mit Bravur meisterten. Dann ging es endlich in die lang ersehnten Workshops (nein, natürlich hießen die nicht Workshops, sondern die Lehren). 4 verschiedene Materialien konnten bei uns bearbeitet werden. Dies war zum einen Holz, zum anderen Leder, weiterhin Papier sowie Wolle. Was versteckt sich denn nun hinter den Materialien?
Angeboten wurde demzufolge Filzen, was natürlich mit Wolle geschieht. Hierbei erlernten die Teilnehmer (sogar einige Ranger und Rover), was mit heißem Wasser und Druck aus Wolle entsteht. Viel Geduld und Fingerspitzengefühl waren für diesen Workshop notwendig. Dafür entstanden wunderbare Schmuckstücke, Kugeln und Bilder. Somit musste nun im Mittelalter keiner mehr frieren, denn Filz hält äußerst warm.
Ein weiterer Workshop beschäftigte sich ebenfalls mit textilen Materialien, dem Leder. Hier wurden verschiedene Lederarbeiten angeboten. Zuvor wurde den Teilnehmern ausführlich beschrieben, wie Leder überhaupt entsteht. Dann ging es also ans Bearbeiten. Nicht so einfach, denn es ist ja doch recht zäh. Hier gab es also den ersten Muskelkater in den Händen und Blasen. Es entstanden Trinkhornhalter, Geldbeutel, Gürtel und Halskrausen, welche sofort zum Einsatz kamen.
Ein dritter Workshop nahte sich bereits dem Ende des Zeitalters, da das Buchbinden seine Anfänge zwar im 12./ 13. Jahrhundert hatte, jedoch erst im 15. Jahrhundert Verbreitung fand und der Beruf des Buchbinders ab nun an Universitäten gelehrt wurde. Nach einer geschichtlichen Einführung beschäftigten wir uns vorab mit dem Material Papier. Was ist eigentlich Papier, wie entsteht es, wo wird es überall genutzt. Und dann ging´s auch schon darum, Papier zu einem Buch zu binden. Mit Leder, Nadel und Faden wurden die Seiten aneinandergebunden. Auch dieser Workshop forderte neben blutigen Fingern viel Geduld.
Der letzte Workshop bediente das verbreitetste Material, das Holz. Neben dem Erlernen verschiedener Holzarten und ihrer Nutzung (ja, wir haben gelernt, dass es Holz gibt, was einfach nicht brennen will : ), wurden auch Werkzeuge der Holzbearbeitung vorgestellt. Da das Schnitzen und Sägen und Hacken bei den Pfadfindern bereits recht bekannt ist, wollten wir eine neue Variante der Holzbearbeitung zeigen. Das Brennen! Ja, man benutzt diese Tätigkeit nicht nur zum Heizen und als Lichtquelle (oder zum gockeln gegen Langeweile oder aus Neugierde), sondern kann gezielt Holz formen. Wir stellten hölzerne Essschalen her. Ausbrennen, auskratzen, einölen und fertig ist die Schale. Ja, so einfach klingt es, so schwierig und zeitintensiv ist es jedoch. Zum abendlichen Ritterschmaus hatten die Teilnehmer des Holzworkshops klare Vorteile. Dazu nachher mehr.
Alle 4 Workshops überzeugten uns und die Teilnehmer mit vielen schönen Ergebnissen, welche wie bereits erwähnt, an diesem Wochenende bereits ihren ersten Einsatz fanden, jedoch für weitere Fahrten sich als sehr nützlich erweisen werden. Die Workshops wurden den gesamten Samstag angeboten, so dass man durchaus zwei unterschiedliche Lehren aufsuchen konnte. Samstag Mittag gab es nach dem Essen eine kleine Burgführung mit einer Einführung in die Spielewelt des Mittelalters. Denn das Spiel hatte bereits im Mittelalter eine große Bedeutung. Beispielsweise waren die Germanen als besonders spielfreudige Stämme bekannt. Sie spielten ständig und verwetteten dabei sogar Weib und Heim. Wir erläuterten viele unterschiedliche Spielarten und probierten einige von ihnen aus. Brettspiele ähnlich wie das heutige Halma und Schach, Pferderennen, Völkerball (früher Hase und Jäger), Boccia (früher Cochonnet), Fauler Sack, etc. sind Spiele, welche heute noch auf der ganzen Welt gespielt werden, früher jedoch andere Namen trugen.
Am Abend gab es ein großes Essgelage in der Burg. Hier galten alle Regeln wie im Mittelalter. Nur wer mittelalterliche oder selbstangefertigte Essschalen, Gefäße oder Besteck hatte, durfte dies benutzen. Habt ihr schon mal Suppe aus der Hand gegessen? Neben Hühnerbeine, gab es Fladenbrot, Kraut, Zwiebelsuppe, Rüben, Möhren und Bratäpfel. Fast 3 Stunden wurde gegessen, Gefäße gehandelt, gesungen und gelacht. Nebenbei wurde die hohe Kunst des Metbrauens, welche damals nicht nur als Heiltrank zu sich genommen wurde, den Teilnehmern näher gebracht.
Sonntag Morgen stellten alle Teilnehmer ihre erlernten Mittelalterfertigkeit vor. Anschließend ging es nach Säuberung des Räume auch schon wieder zurück ins 21. Jahrhundert.
Wir hoffen sehr, dass nicht nur die kreativen Fähig- und Fertigkeiten der Pfadfinder eine Bereicherung erhielten, sondern auch die Teilnehmer einen kleinen Einblick ins Mittelalter und dem damaligen Handwerk gewannen.

In diesem Sinne
Gehabt Euch wohl

Bilder gibt es in unserer Galerie